Antiquarisches Pamphletorium
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Der Tag des Herren.

Während im Mittelmeer heute wieder einmal wahrscheinlich an die 700 Menschen bei dem Versuch, die Todesgrenzen des humanistisch so hochstehenden und erhabenen Abendlandes zu überwinden[1], umkamen, waren in der Reichshauptstadt Wien diejenigen am Wort, deren dauerhafte Agitation gegen Menschen anderer Religion und Herkunft jenes Klima erst erschufen, in dem solch betrüblichen Nachrichten mehr Spott und Häme denn betroffene Antizipation hervorrufen.
 
Der Bundesheinrich, der Kanzler der Herzen und ewige Bundesspitzenkandidat, welcher, wie wir betroffen erfahren mussten, auch schon Opfer sexueller Übergriffe war, aber dennoch Gesetze zum Schutz der Opfer als unnötig erachtet, durfte in einem ausführlichen Fernsehinterview wieder einmal darlegen, warum seiner Meinung nach der Islam wohl eine anerkannte Religion sei, aber dennoch in Europa irgendwie nichts verloren hätte. Wohlweislich verschweigend die Implikation, dass wohl auch Menschen dieses Glaubens unerwünscht wären[2].
 
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Die Spaziergänger von Graz

Endlich war es wieder soweit. 150 aufrechte Patrioten konnten sich dank massiven Polizeischutzes wieder aus ihren verrauchten Branntweinkellern getrauen, um dem Frust ihres bedrohten abendländischen Daseins Gehör zu verschaffen.
 
Immerhin sind sie doch das Volk.
 
Wie immer wollte man der Besorgnis um die mögliche Entfachung eines Religionskrieges Ausdruck verleihen, indem man auf die Similaritäten zwischen Christentum und Islam hinwies.
 
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Populus Absurdum

Vox populusquem absurdum. Oder so.
 
Sie sind das Volk? Sie wollen Religionskriege vermeiden, indem sie ihre Religion, die sie zwar nicht ausüben und von deren Grundgesetzen sie in der praktischen Anwendung keine Ahnung haben, als die einzig gültige durchzusetzen trachten? Sie gehen gerne mit bis zu hundert Freunden unter Polizeischutz spazieren, weil sie sich von den demokratisch, also vom Volk, gewählten Volksvertretern nicht vertreten fühlen? Ihre größten Fans und Mitspazierer rekrutieren sich aus den Reihen zutiefst antidemokratischer Kräfte?
 
Dann gründen sie doch eine Partei! [1]
 
Eine Partei? [2]
 
Ja, eine Partei! Aber keine Angst, sie müssen sich ja nicht gleich Wahlen stellen, um sich so vom Volk in ihren Anliegen legitimieren zu lassen. Sie sind doch das Volk. Das Wichtigste ist, erst einmal durch die Parteigründung den Namen der Bewegung für sich zu sichern. Nicht dass da noch irgend so ein anderer besorgter christlicher Abendländer aus der Mitte der Gesellschaft auch auf die Idee käme, sich mit dem Namen der Bewegung zu schmücken, obwohl der gar nicht so ein guter aus der Mitte der Gesellschaft stammender christlicher Abendländer ist wie sie selber. Und lassen sie sich nur nicht irritieren wenn dann gleich ein ebensolcher kommt und sie einen Spalter nennt, jener ist nämlich selber ein Spalter.
 
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