Es ist vollbracht. Die größte und heftigste Wahlschlacht dieses Jahres ist geschlagen, und es gibt einen großen Sieger. Der Bundesspitzenkandidat aller Klassen, der Wackelkopfdackel der staatstragenden Ansprachen, der Umfragesieger der Herzen, ergeht sich in ungetrübtem Triumph. Das große Ziel ist erreicht. Endlich.
 
Nun gut, das mit dem Bürgermeisteramt ist jetzt nicht wirklich etwas geworden, und der Plan für den Fall eines knappen Wahlausganges zu Ungunsten der heimatsozialen Partei, schon im vorhinein Wahlfälschung zu insinuieren, greift wegen der knapp 10% Vorsprung der Bolschewiken auch nicht wirklich.

 
 
Dank der genialen Idee jedoch, das wohl retuschierte Konterfei des Bewegungsführers nicht nur in sämtliche Plakate, die gedacht waren die BezirksspitzenkandidatInnen zu präsentieren, zu reklamieren, sondern den Bürgermeisterbundeskanzlerpräsidentenamtsanwärter auch in allen(!) [* nach information des Autors, es gilt die Unschuldsvermutung] 23 Gemeindebezirken auf die Liste zur Bezirksratswahl zu setzen, um so möglichst viele Vorzugsstimmen zu lukrieren, bringt ihn seinem Traum von echter politischer Verantwortung ein großes Stück näher.
 
So wird er wahrscheinlich nach Auszählung der Vorzugsstimmen, und so genug seiner getreuen Kameraden es fertig brachten seinen Namen richtig zu schreiben, die Wahl haben, in welchem Bezirk er Bezirksrat sein will, oder sogar, wenn alles glatt geht, in welchem der wahrscheinlich 3 Oktoberrevolutionierten Bezirke er Bezirksvorsteher werden will.
 
Wir können nur hoffen, er folgt dem Rufe seines Wahlvolkes, um so seine, von ihm so gerne zitierte Demut vor dem Wählerwillen, endlich in die Tat umsetzen zu können.
 
Alternativ, wenn die nordischen Götter dem Erdberger Recken gewogen sind, winkt vielleicht noch ein Posten als Vizebürgermeister, so wie die Wiener Verfassung es vorsieht, der ohne zusätzliche Stadtratsfunktion ein herrlich Macht- und Verantwortungsloser Versorgungsposten sein kann, wenn man sich nur richtig Mühe gibt, das Fehlen von Kompetenzen durch wohlfeiles nichts Tun zu rechtfertigen.
 
Sollte all diese Fülle an Macht und Titeln dann auch nicht zur Satisfaktion der Zäune- statt Brückenbauerfraktion gereichen, so kann man sich vielleicht noch an der – unter Umständen – erworbenen Sperrminorität weidlich erfreuen, und voller Inbrunst das tun, was die Gesinnungsgemeinschaft heimatsozialer Abendlandbewahrer und Frauen zurück an den Herd Schicker am besten kann. Dagegen sein und blockieren, ohne Verantwortung für konstruktive Arbeit zu tragen. Quasi ein freiheitlicher Jackpot. Kernkompetenz nennt man das.
 
Und Wien bleibt Rot.
 
<3-lichst, Patricius    

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