Es war im Jänner 2015, als ein fürchterlicher Anschlag der europäischen Öffentlichkeit den Atem raubte. Elf Menschen verloren dabei auf blutigste Weise ihr Leben. Bei öffentlichen Kundgebungen, sowie in sozialen Netzwerken, bezeugte man seine Trauer, sein Mitgefühl und seine Solidarität mit dem Spruch „Je suis Charlie“ („Ich bin Charlie“).[1]
 
Schon damals versuchte die europäische, antiislamische Gesinnungskameradschaft das fürchterliche Ereignis für ihre politischen Zwecke zu nutzen.[2]
 
Und jene Nutzung schrecklichster Ereignisse, wie eben den Anschlag in Paris, um daraus politisches Kleingeld zu schlagen, gewann dieser Tage, dank eines Vertreters der volkstümlichen austroamerikanischen Musik und seinen nationalpopulistischen Fürsprechern, eine neue, besonders takt- und pietätlose Dimension.
 

„Je suis Gabalier“ („Ich bin Gabalier“), hinterlegt mit der österreichischen Fahne, jenem – der Legende nach – babenbergischen Symbol der erfolgreichen Schlachten gegen Muslime, ziert seit wenigen Tagen so manches Profilbild heimatsozialistischer Personen, in kompletter Missachtung des Leides der Opfer und derer Angehöriger der Morde im Jänner.[3]
 
So vergleicht man das, vom Volks Rock‘ n‘ Roller ersonnene schwere Leben jener, welche als „Manderl noch auf Weiberl stünden“[4], also die auch von König Nageledonias[5], von Menschen die das Herunterfallen von Dingen als Spitzensport bezeichnen[6], oder eben Mitgliedern der heimatsozialistischen Partei empfundene Diskriminierung der weißen, männlichen, heterosexuellen Mehrheit durch die „Homosexuellen- und Gutmenschenlobby“, mit den Mordopfern von Charlie Hebdo.
 
Vollkommen verständlich auch, erinnern wir uns nur daran wie viele weiße, heterosexuelle Männer in den letzten Jahren aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung von Homosexuellen bestialisch mit Maschinengewehren hingerichtet worden sind.
 
So zeigt sich auf ekelhafteste Art wieder einmal, wie weit man in rechten Kreisen geht, wie ruchlos man das Ziel verfolgt, für sich eine vermeintliche Opferrolle zu reklamieren, um die Hetze und Diskriminierung gegen Menschen anderer sexueller Orientierung, anderer Religion, anderer Herkunft und schlussendlich auch anderen (weiblichen) Geschlechts als „Notwehr“ rechtfertigen zu können.
 
Denn erinnern wir uns, begonnen hat alles damit, dass man durch eine Textänderung der österreichischen Bundeshymne auch den großen Töchtern des Landes gedenken wollte.
Enden soll es nun peinlicher Weise damit, dass gestandene weiße, testosterontriefende, heterosexuelle Männer durch die Einfügung zweier Worte (..und Töchter) glauben, sich deshalb mit Mordopfern vergleichen zu müssen.
 
Ich schäme mich für euch. Zutiefst.
 
♥-lichst, Patricius.
 
 
[QUELLEN]
[1]http://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_Charlie_Hebdo
[2]http://www.psychologie.uni-frankfurt.de/53833245/GidaPM011510.pdf
[3]http://www.heute.at/freizeit/musik/art31330,1143609
[4]http://www.krone.at/Musik/Andreas_Gabalier_bei_Amadeus-Awards_ausgepfiffen-Seine_Rede_im_Video-Story-446100
[5]http://www.vice.com/alps/read/georg-nagel-ueber-werteverfall
-und-andreas-gabalier-187

[6]http://www.heute.at/freizeit/musik/art31330,1143333
 
 


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