Die großen nationalpopulistischen Parteien Europas, die doch sonst so ungerne mit anderen teilen, teilen sich ein großes Problem.
 
Will man den Vergleich bemühen, die Gesinnungskameradschaft nationalistisch orientierter Interessensgruppen wären ein Haus, so würden sich die als gemäßigt zu präsentieren suchenden, in den Parlamenten vertretenen nationalistischen Parteien als die bürgerlichen Bewohner der oberen, lichtdurchfluteten Geschosse wähnen, den braunen radikalen Bodensatz hinter fest verschlossenen Türen im Keller verräumt.
 
Die Realität freilich ist eine andere, man nächtigt mit den angeblich Geächteten nicht nur im selben Haus, sondern sogar im selben Zimmer, und nicht einmal die Trennung der Betten will so recht gelingen. Zu groß ist die Sehnsucht, der menschenverachtenden Radikalität und ihrem Versprechen völkischer Größe und Ruhms nahe zu sein, zu verbunden ist man in Geist und Gesinnung, um die Finger von einander zu lassen.
 

War erst gestern der orth-ochthone listenzweite Mistkübelfürsprecher mit der Vorliebe für Kuhstalldiskos über Photos seiner Jugendliebe zum Rechtsextremismus gestolpert, so fand man heute, und schon wieder aus dem Gau Niederdonau stammend, ein wenige Wochen altes Gustostückerl unschicklicher Zärtelei am braunen Grat.
 
Ein heimatsozialer Gemeinderat aus dem Bezirk Tulln teilt in einem sozialen Netzwerk ein Bild mit einem Reim Adalbert Stifters, und zwar direkt von einer rechtsradikalen Seite, die man, sofern man das Gedankengut dort nicht auch sein Eigen nennt, weder besuchen noch deren Inhalte mit anderen Benutzern des Weltnetztreffpunktes teilen würde.[1][2]
 
Begleitet wird das geteilte Bild im Original mit Dank an die Unterstützer eben jener Seite, abgeschlossen mit der Zeile „Heute gehört uns Facebook – morgen das Parlament“. Ob jener Spruch sich nur zufällig an das Lied „Es zittern die morschen Knochen“, am besten bekannt durch die Textzeile „und heute hört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt“ lehnt, oder ganz bewusst gewählt wurde, ist angesichts der sonstigen Inhalte jener Seite nicht schwer zu erraten.[3]
 
Angesprochen auf das kurze Liebespiel mit der Propaganda des Reiches, dessen Untergang wohl nicht so komplett war wie er hätte sein sollen, entgegnet der nationalbewusste Politiker damit, auf den Zusammenhang zwischen der roten Jugendbewegung Österreichs und dem Kommunismus hinzuweisen, also einem zünftigen „…aber bitte, die haben auch…“, ganz im Stile seiner großen Parteiväter, Ritter Heinrich von der bei Herrn Wolf unterbrochenen Rede, Knüppelbefreiherr Johann von Sack, Herbert van der Dichtenschreybung und dem Rest der Taferl im Parlament Herzeigerunde.
 
Solcherlei Probleme hat aber nicht nur die Partei der nationalen Zukunft in der Ostmark. Nein, auch im Erbfeindesland, dem Frankenreich, muss sich des Bundesheinrichs Verbündete, Marine, mühen, ihren eigenen Vater aus dem gemeinsamen politischen Schlafzimmer zu befördern.[4]
 
Ganz gelingen wird wohl das Unterfangen „getrennte Betten“ in keinem der braunen Lager, denn anders als in der Perzeption der Vertreter jenes Lagers sitz man nicht, um den Eingangs bemühten Vergleich zum Abschluss zu bringen, ein Stockwerk über dem antidemokratischen radikalen Teil der Bewegung, sondern mit eben jenem tief unter der Erde, im bombensicheren Bunker, einander auf Gedeih und Verderb ergeben und ausgeliefert. Bis zum letzten Atemzug.
 
♥-lichst, Patricius.
 
 


[QUELLEN]
[1]http://www.meinbezirk.at/tulln-an-der-donau/politik/
fp-gemeinderat-verlinkt-neonazi-seite-d1153463.html?hc_location=ufi

[2]https://www.facebook.com/pages/Freies-%C3%96sterreich/487828774678063?ref=ts&fref=ts
[3]http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Baumann
[4]http://orf.at/stories/2272443/2272444/
 
 


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