Während in Wien und vielen anderen Orten der Welt der höchste Feiertag der Arbeiterbewegung und ihrer Parteien zelebriert wurde, um sich der grossen Errungenschaften der Sozialdemokratie zu besinnen, lud die heimatsoziale Partei in Linz in ein Bierzelt um das zu feiern, was sie am besten können. In Österreich geboren zu sein.
 
Als in Wien die Festumzüge aus den Bezirken nach langem Marsch langsam begannen sich auf dem Rathausplatz zu versammeln, saßen jene, die dem Wiener Bürgermeister so gerne ein Alkoholproblem andichten, schon bei den ersten Krügeln Bier.
 

Während in der Bundeshauptstadt beim Einzug der Bezirksorganisationen die Gemeinsamkeit im Ringen um eine sozialere Zukunft beschworen wurde, und man Themenschwerpunkte solidarischen Lebens präsentierte, huldigte man im nationalpopulistischen Bierzelt unverhohlen dem Personenkult um den Bundesspitzenkandidaten Heinrich, dem letzen Kreuzritter des Abendlandes.
 
In der Bundeshauptstadt schwenkte man die Fahnen mit den drei Pfeilen der Arbeiterbewegung, die den Kampf gegen Reaktion, Kapitalismus und Faschismus symbolisieren, und besann sich auf die großen Errungenschaften der Bewegung in der Vergangenheit, als auch auf die Herausforderungen der Zukunft. Im alkoholdunstschweren Festzelt in Linz schwenkte man die rotweißroten Fahnen und besann sich, nun ja, man ist halt nun mal in Österreich geboren. Ist ja auch irgend eine Art von Leistung.
 
Als man in Wien davon sprach für mehr Gerechtigkeit bei der Steuerbelastung sorgen zu müssen, sich der Privatisierung lebenswichtiger staatlicher Institutionen entgegen zu stellen und Solidarität unter allen Menschen, ungeachtet der Herkunft und des sozialen Status beschwor, beschwor man in blauer Bierseligkeit in Linz die Gemeinschaft gegen alles was anders ist, vor allem natürlich wie immer gegen jene in der Gesellschaft, die sich am schwersten wehren können, MigrantInnen und Flüchtlinge, welchen das Glück autochthonen Österreichertums nicht beschieden war.
 
An kaum einem Tag werden die Unterschiede zwischen der optimistischen Weltsicht der internationalen Solidarität und der mieselsüchtigen Abkapselungsmentalität der Ängste schürenden Nationalpopulisten so deutlich wie an diesem Tag.
 
Doch solange die einzelnen sozialistischen Festzüge der Wiener Bezirke alleine schon mehr Leute auf die Straße bringen als die Hetzer der Pegida landesweit, solange sich noch bis zu hunderttausend Menschen auf dem Rathausplatz versammeln um die Gemeinsamkeit zu zelebrieren, während die angstgeschwängerte Politik der Heimatsozialen gerade mal ein Bierzelt füllt, so lange besteht noch Hoffnung auf eine bessere, sozial gerechtere Zukunft.
 
Aber eines ist auch sicher, es bedarf der Mitarbeit aller. Daheim zu sitzen und über die Verfehlungen der Politik zu maulen, ohne selber aktiv mit zu arbeiten, wird den Wunsch nach einer gerechteren Welt nicht schneller zur Umsetzung bringen.
 
Freundschaft.
♥-lichst, Patricius.
 
 


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